Down Syndrom

Janosch ist ein Kind, das uns als Eltern sehr viel Freude bringt. Er wurde am 18.07.2002 geboren und ist offensichtlich sehr musikalisch. (Das kommt mir gleich zu Anfang in den Sinn, da ich selbst Musiker bin.) Er ist ein sehr schmusiger kleiner Bub, der uns viel Liebe und Zuneigung gibt, und die er natürlich auch von seinen Eltern erfahren möchte ... . Janosch ist für uns eine große Bereicherung - wie natürlich jedes Kind eine große Bereicherung ist, wenn man dies möchte - speziell für mich ist er ein ganz großes "Plus" in meinem Leben, da ich keine weiteren Kinder habe und daher die Schönheit, welche ein Leben mit Kindern bedeutet, vorher nicht kennen lernen konnte.

Ein Leben mit Janosch ist das Leben mit einem Menschen, der emotional sehr aktiv und engagiert ist - dem Wert der Empfindung des Seins, des positiven Seins, huldigt er indem er ihn uns als Eltern aufzeigt - mir speziell vermittelt er, was das Leben ist, welche schönen Seiten es hat, das es etwas Positives ist in allem, was es anbietet. Janosch erfährt und empfindet alles, was das Leben ist ... - und es schwingt in ihm mit in seiner, ihm eigenen positiven Grundstimmung.

Ist es nicht gerade jene positive Grundstimmung, die jedem Menschen wichtig ist und dennoch - vielleicht gerade in Deutschland - vielen Menschen nicht leicht fällt? Ich bin versucht zu mutmaßen, dass gerade ein Mensch mit Down-Syndrom uns, die wir viel Negatives in uns aufnehmen und auch sehr stark an unseren Gefühlen vorbeileben, zeigen kann, "wo es in unserem Leben lang geht" - wenn dies ein Leben sein soll, dessen Wert seiner Zeit, die wir auf Erden verbringen, entspricht.

"Menschen mit Down-Syndrom als Therapeuten der Nation"? Sicher, in entsprechendem Sinne ... .

Natürlich sind es Fähigkeiten des Verstandes, damit der Orientierung in der Gesellschaft anhand von Fakten, die bei Janosch vermutlich nicht in gleichem Maße bereits entwickelt sind wie bei anderen Jungen ohne DS - hier bekommt er Unterstützung durch Förderung, für die es in Deutschland viele Möglichkeiten gibt. Diese Förderung (Physiotherapie / Logopädie Ergotherapie) hilft auch bei der Entwicklung bestimmter körperlicher Fähigkeiten, bei denen er im Vergleich mit Kindern ohne Down-Syndrom schwächer abschneidet.  


Sein Anderssein ist kein Manko, da er, meiner Meinung nach, emotionell und in der Freude der Wahrnehmung über die Sinne sehr progressiv im Stande seiner Entwicklung ist. Ich denke mir, dass Menschen mit Down-Syndrom der Gesellschaft durch die Bildung ihrer Gefühlswelt, ihren sinnlichen Umgang mit der Umwelt, genau jene Schwächen aufzeigen, unter denen wir "normale" Menschen so leiden. Mithin ist es eine andere Stärke, die Janosch UNS gegenüber hat. Er lebt glücklicher. Und dies nicht weil er "doof" wäre, sondern weil in ihm die Dinge, um die es im Leben wahrhaft geht, sehr stark ausgeprägt sind. Insofern können wir "Normale" sehr viel - für unser eigenes Leben - von Menschen wie Janosch lernen. Und natürlich erfahren Menschen mit DS durch wiederum uns Förderung in Bereichen, wo wir "fitter" sind. So ist es ein Geben und Nehmen - 'schade' nur dass (laut vieler Veröffentlichungen) 95% aller solcher Menschen, die uns so viel für unser Leben geben könnten, von ihren Eltern abgetrieben werden ... .

"Janosch als kleiner Guru"? Für mich immer wieder ... .

Ich würde mich freuen, wenn Menschen mit Down-Syndrom nicht mehr abgetrieben
würden. Sie bereichern das Leben.
Janosch ist mit einem Herzfehler auf die Welt gekommen, der erfolgreich
operiert werden konnte. Somit wird er in seinem Leben keine Einschränkungen
erleben (es sei denn sportliche Höchstleistungen würden von ihm angestrebt,
wie mir ein Arzt sagte - aber solche Höchstleistungen beabsichtigen ja nicht
viele unserer Mitmenschen).
Er stellt uns als Eltern vor die gleichen Anforderungen, die jedes Kind an
seine Eltern stellt. Vielleicht ist es auch etwas mehr - sein Dasein für
uns, seine von Herzen kommenden Gaben an uns, gleichen dieses eventuelle
"Mehr" unseres Engagements auf alle Fälle aus. Ich denke, jedes Kind gibt
seinen Eltern die Geschenke, welche sie zur Kraft für und positiven
Einstellung gegenüber seiner Erziehung brauchen. Es gibt kein
'Ungleichgewicht' der Anforderungen eines Kindes und seiner Gaben an die
Eltern (vielleicht können manche Eltern diese Gaben jedoch nicht in voller
Höhe annehmen). Sollte meine Meinung zutreffen, so würde jeder Mensch, der
sein Kind abtreibt weil er meint, es würde ihm "zu viel" werden, tatsächlich
irren ... .
Und anscheinend ist es für viele Muttis und Vatis auch grausig und fast
nicht auszuhalten, wenn sie einen solchen Irrtum derzeit erkennen - jedoch
dann ist es zu spät; die Abtreibung eines eigenen Kindes ist nicht
umkehrbar.

Ich möchte allen Eltern - und in meinen Augen sind wir, die wir ein Kind
erwarten, bereits die Eltern dieses Kindes -
wünschen, an sich zu glauben.
Sie sollten davon ausgehen, dass jedes Kind seinen Eltern genau das gibt,
was sie zu seiner Umsorgung und Erziehung brauchen. (Ausnahmen davon kann
ich nicht ausschließen, jedoch sind mit keine solchen bekannt).
Ich denke, Beratungstätigkeit (z.B. durch Beratungsstellen) sollte sehr
stark in diese Richtung wirksam sein, auf keinen Fall eine "Gefällt mir
nicht, schmeiß´ ich weg" - Mentalität fördern. Immer wieder habe ich von
Beratungsstellen gehört, die offensichtlich nicht auf die Stärken der Eltern
setzen, sondern die Schwächen eines Kindes als 'unkompensiert' betrachten.
Das halte ich für falsch.

 


Ich hatte Glück. Die Mutti von Janosch und ich waren uns einig, dass wir uns
auf ihn freuen und ihn liebhaben wollten.
Gott sei Dank habe ich nie in meinem Leben eine Entscheidung zur Abtreibung
eines eigenen Kindes getroffen; wie schlimm muss es jenen ergehen, die eine
solche getroffen haben und diese nun bedauern! Daher bitte ich alle Eltern
ungeborenen Lebens, Abtreibung lediglich als letzte Möglichkeit in Betracht
zu ziehen. Sie lässt nicht leben, sondern zerstört Leben - das des eigenen
Kindes. Und wie berichtet wird, ist dieser Tod für das Kind schmerzhaft und
schlimm - und die Eltern müssen diesen Tod miterleben!

Ich wünsche allen Menschen, mit mir jenes Glück zu teilen: Mutti oder Vati
eines Kindes zu sein, dass z.B. Down-Syndrom 'hat'. Down-Syndrom ist keine
Krankheit! Es ist eine Besonderheit. Besondere Menschen - im Sinne von
Menschen die anders sind - stellen keinen Grund dar, ihnen kein Leben zu
ermöglichen. Sie sind eine Aufgabe des Elternwerdens und Elternseins mit
besonderen Facetten und genau so vielen schönen und weniger schönen Momenten
im Zusammensein und in der Erziehung, wie bei 'normalen' Kindern auch - denn
die 'emotionale Summe' stimmt immer!
Jedenfalls bei uns - Janosch und mir; sicherlich trifft dies auch auf die
Mutti von Janosch zu. (Wir leben getrennt, kümmern uns aber beide um unser
Kind.)
Ich denke, ein Kind mit Down-Syndrom wie unser Janosch ist auf keinen Fall
für irgendwelche Eltern ein "Zuviel" - im Gegenteil, eine Bereicherung.
Offenbar wird Spätabtreibung bis zur x-ten Schwangerschaftswoche erlaubt,
wenn ein Kind mit Down-Syndrom erwartet wird - dabei sollen Spätabtreibungen
ja eigentlich die Gefahr abwenden, dass Schwangere 'schwerwiegende
körperliche und seelische Schäden' erleiden. Ein Kind mit DS, wie unser
Janosch, stellt jedoch keine solche Gefahr dar; außerdem erleiden genau
durch einen Abbruch Schwangere jene Schäden, die sie verhindern wollten:
Jedenfalls berichten viele Frauen, die abgebrochen haben, von ganz großen
seelischen Problemen - davon, dass sie nicht damit fertig werden, ein Kind
"weggeschickt" und getötet zu haben.
Und natürlich birgt ein Abbruch auch körperliche Risiken - nicht zuletzt
wohl für die eigene Fruchtbarkeit.

Vielleicht tragen diese Zeilen ja dazu bei, dass das eine oder andere Kind
M E H R auf unserer Welt weilen möge, die ihm ansonsten verwehrt geblieben
wäre - und damit manche Papas und Mamas glücklicher sein werden als sie es
ohne dieses Kind sein würden !!

Viele Grüße,

 

Lutz Ambrosius

 

(Papa (36) von Janosch)



P.S. Ihr könnt mir gerne mailen - auch oder gerade, wenn Ihr Fragen oder
Probleme habt zu "Soll ich mein Kind austragen oder
nicht?".
LutzAmbrosius@t-online.de